Gedanken zum Gründonnerstag 9. April 2020

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Anders als alle anderen

Liebe Gemeinde,

an Anfang der Woche habe ich mir eine Liste für die kommenden Tage geschrieben. Was muss ich alles noch bis Ostern erledigen? Was soll es wann zu essen geben? Was muss ich noch einkaufen? Die letzten Jahre stellte sich für mich auch noch eine andere Frage: Wann besuche ich welchen Teil meiner Familie? Aber dieses Jahr ist es anders. Wegen der sog. Corona-Pandemie fahre ich nicht quer durch Mittelfranken, sondern bleibe hier in Pyrbaum. Ich werde an Gründonnerstag nicht Abendmahl feiern können. Ich werde nicht zusammen mit den Pyrbaumer Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Osternacht durchmachen und mich dann zusammen mit ihnen im Morgengottesdienst zusammenreißen, dass uns die Augen nicht zufallen.
Dieses Ostern wird anders. Daran werden wir uns sicher auch noch in 10, 20, 30 und noch mehr Jahren erinnern. An das Jahr, das anders war als alle anderen.
„Weshalb ist dieser Abend anders als alle anderen?“, fragt das Kind den Vater. Zusammen sitzen beide mit der ganzen Familie um den Tisch. Es ist Sederabend, die zeremonielle Mahlzeit am Beginn des jüdischen Pessach-Festes. Der Vater erzählt von der Unterdrückung der Israeliten in Ägypten. Er erzählt vom Ursprung des ersten Pessachs: wie die Vorfahren sich gegen Gottes Todesboten geschützt und in aller Eile ungesäuertes Brot gebacken haben, wie sie geflohen waren und sehr knapp gerettet wurden. Dieser Tag war anders als alle anderen.
Der Predigttext für diesen Gründonnerstag steht im 2. Buch Mose im 12. Kapitel. Darin lesen wir genau diese Geschichte. Dort erhalten die Israeliten auch den Auftrag, dieses besondere Mahl als Fest jedes Jahr zu wiederholen: In Gemeinschaft zu feiern und sich an Gottes Bund und seine Rettung erinnern – Tage, anders als alle anderen.
In diesem Jahr liegen das jüdische Pessach und unser christliches Ostern zeitlich sehr nahe beisammen. Aus den sog. synoptischen Evangelien wissen wir, dass Jesus, bevor er verraten und gekreuzigt wurde, zum Pessach nach Jerusalem gekommen war. Doch dieses Pessach sollte anders werden als alle anderen. Es folgten Verrat, Kreuzigung und Tod – und die Auferstehung. Ein Neubeginn, ein Aufbruch.
Dieses Ostern wird anders sein als alle anderen. Die Gottesdienste und Veranstaltungen können nicht wie gewohnt stattfinden. Das große Osterfrühstück mit der ganzen Familie kann nur im kleinen Kreis gefeiert werden. Der Urlaub in den Osterferien wird auf Balkonien und Terrassien verschoben. Aber dennoch: Dieses Ostern bietet auch neue Chancen. In unsrer Gemeinde schaffen wir neue Angebote, mit denen wir Menschen jetzt erreichen können. Wir finden neue Wege, unseren Glauben zu leben. Stiller vielleicht, individueller bestimmt. Lassen Sie sich mitnehmen in dieses Ostern, das so anders ist als alle anderen.
 
Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Osterfest. Bleiben Sie behütet!
Ihre Vikarin Stefanie Probst