Gedanken zum Sonntag Quasimodogeniti, den 19. April

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Von zwitschernder Vögeln und Monopolyprofis
„Also ich kann nur sagen, raus gehen macht extrem viel gute Laune, gerade bei dem guten Wetter und am Wochenende abends mit der ganzen Familie Gesellschaftsspiele spielen ist auch super. Kniffel und Monopoly sind unsere Favoriten“.

 
„Ich nutze die Zeit für die Schule… Abends lese ich meistens, wenn nichts im TV kommt. Bin schon bei meinem siebten Buch. Wir gehen am Nachmittag oder Abend immer noch mit der Familie in den Wald oder Fahrradfahren. Und in Monopoly müsste ich schon ein Profi sein, so oft ich das spiele.“
 
„In den letzten Wochen habe ich mich weniger mit dem Handy beschäftigt und viel mehr Zeit mit meiner Familie verbracht. Ich hatte in den letzten Wochen auch viel weniger Stress als sonst, weil ich eine Pause vom Alltag hatte. Auch das Wetter ist so schön gewesen, weshalb meine Familie und ich viel Zeit im Garten verbracht haben. Ich denke, dass man die Zeit mit seiner Familie oder Freunden per Videochat verbringen sollte, um Hoffnung und Energie zu gewinnen.“
 
„Ich gehe viel Sport machen, das Wetter ist ja eh super… Musik machen, Musik hören. Viel raus gehen, einfach mal in die Natur setzen. Und so viel es geht, nicht am Handy hängen, weil dann sieht man erst mal, was man eigentlich mit seiner Zeit machen kann.“
 
Was macht man in diesen Zeiten? Was gibt Energie, wenn so vieles im Alltag heruntergefahren wurde und Ferien ohne Freunde, ohne Kino, ohne Reise, ohne… sich so dahin ziehen.
Die Antworten und Ideen aus dem Kreis der Jugend-Mitarbeitenden unserer Gemeinde zeigen: So schwer ist das gar nicht. Und: Jugendliche, junge Erwachsene und Familien haben diese Zeit auch als Chance entdeckt und nutzen die Zeit für Dinge, die sonst im Alltag mühsam ihren Platz finden.
 
Nun wurde in dieser Woche klar: Es geht noch weiter mit Beschränkungen im Alltag und im Beruflichen. Die Schule steht bis auf Abschlussklassen erst einmal hinten an und muss sich neu organisieren. Kindergärten bleiben nur für unbedingt notwendige Betreuung geöffnet. Für viele Berufstätige ist noch unklar, wie dieser Zustand über Wochen oder Monate hinweg gestaltet werden soll.
Wir brauchen Kraft für diese Zeit.
 
In der Woche nach Ostern schauen wir die Welt ganz mit der Hoffnung von Ostern an. Im Abschnitt aus der Bibel für den 1.Sonntag nach Ostern heißt es:
 
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«? Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.  Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.  Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ Jesaja 40,26-31
 
Der Prophet Jesaja will das Vertrauen stärken. 
Dazu empfiehlt er erst einmal, dass wir die Augen aufmachen und die Welt in ihrer Größe und Schönheit sehen.
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Das fällt uns in diesen Frühlingstagen nicht schwer, wenn die Bäume blühen, in den Gärten eine farbige Pracht zu sehen ist und die Vögel zwitschern. „Durch die Helligkeit fühlt man sich um einiges besser“, meint eine junge Erwachsene. Als gestern die Astronauten in der kasachstanischen Wüste landeten, sagte ein von ihnen: „Die Welt sieht trotz Corona weiterhin Atem berauschend aus!“
 
Und doch gibt es Momente, in denen Menschen die Frage bewegt: „Wer gibt eigentlich auf mich acht? Sieht mich Gott? Oder ist ihm und Menschen egal, wie es mit geht? Wer fragt denn nach mir?“
Der Prophet Jesaja erinnert: "Weißt Du nicht, dass Gott gar nicht matt und müde wird."
Wir kennen das – und in dieser Zeit mag das für Manchen besonders zutreffen, der sich nicht hinaus traut, der keine anderen Menschen begegnen kann. Wann können sich zum Beispiel der Frauenkreis wieder treffen, oder die Senioren wieder zusammen kommen?
Der Prophet ist sich jedoch sicher: Gott gibt dem Müden Kraft. „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“
 
In der Woche nach Ostern  klingt es noch frisch in unseren Ohren:  Gott hält zu mir – wenn ich müde und in trüben Gedanken bin, in Krankheit, ja selbst in Trauer und Tod.
Gott hält zu mir. Durch die Auferstehung Jesu pflanzt er diesen Hoffnungskeim in das Leben, auch in meines!
 
Ich wünsche Ihnen das Vertrauen, Gott schenkt neue Kraft auch in Zeiten von Müdigkeit und vielen Befürchtungen.
Wenn die Bibel sagt: Durch solches Vertrauen kriegen wir neue Kraft, dass „wir auffahren mit Flügeln wie Adler“ , so ist das schon ein steiles Bild.
Vielleicht geht es auch kleiner, aber nicht weniger kraftvoll:
Der Spaziergang durch blühende Wiesen – Gespräche am Telefon – Spiele in der Familie – Musik und Musizieren – ein Gebet.
 
Gott, fülle die Zeit mit deinem Segen.
Nimm mich an der Hand, wenn ich Halt brauche.
Schicke mich los, um andere aufzumuntern.
Lass mich die Telefonnummer finden und schenke die Worte, die wie ein „an der Hand halten“ sein können.
Gib mir den Blick für die freundlichen Augen – auch bei der Maskenträgerin, die mir begegnet,
und lass mich freundlich zurück blicken.
Gib uns den österlichen Geist.
So sehr brauchen wir dich und brauchen einander,
damit wir uns aus den Nestern heraustrauen,
damit der Hoffnung Flügel wachsen.
Amen.
 
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.
Vielleicht kommen sie an unserer Kirche vorbei – sie wird am Sonntag geöffnet sein.

Ihr Pfarrer Klaus Eyselein

 

Zum Sonntag Quasimodogeniti ("Wie die neugeborenen Kinder" nach 1. Pertus 2,2)  gehören:
Als Biblische Lesungen:  Evangelium: Johannes 20,19-29
                                     Predigttext: Jesaja 40,26-31
Die Wochenlieder:         EG 108 Mit Freuden zart
                                    EG 117 Der schöne Ostertag

Anregungen zum Kirchenjahr finden Sie unter https://www.kirchenjahr-evangelisch.de